Bangladesch

Veröffentlicht auf von Barni J.R.


Wertes Volk,

nachdem ich von den Andaman Inseln voellig entspannt und mit neuem Tatendrang zurueckgekehrt war, entschied ich mich anstatt,  wie urspruenglich geplant nach Suedindien, in das von Touristen kaum besuchte Bangladesch zu reisen.

Da vielleicht der ein oder andere nicht soviel ueber dieses Land weiss, versuch ichs mal  kurz zu erklaeren.

Das hier ist schon mal die Fahne...




Geschichte

Als Britisch - Indien von Grossbritanien 1947 in die Unabhaengigkeit entlassen wurde, entstanden zwei neue Staaten. Nach der Teilung des Landes in einen mehrheitlich hinduistischen Staat, das heutige Indien, und einen muslimischen Staat, das heutige Pakistan, wurde das ueberwiegend muslimische Ost - Bengalen,  heutiges Bangladesch, Pakistan zugeschrieben, von dem es durch Indien geographisch getrennt war. Somit war ab 1947 Westpakistan ( jetzt Pakistan) und Ostpakistan (jetzt Bangladesch) ein Staat der ueber 1500 km voneinander getrennt war.

Obwohl beide Teile islamisch waren, hatten sie grosse kulturelle und sprachliche Verschiedenheiten.
Die Einkuenfte des fruchtbaren Osten flossen hauptsaechlich in den westlichen Teil und der wiederum steckte das Geld in das Militaer. Ausserdem war Ostpakistan in der Staatsverwaltung und im Militaer stark unterrepraesentiert. Die angespannte Situation spitzte sich ueber die Jahre weiterhin zu und fuehrte dann letztendlich 1971 zum Unabhaengigkeitskrieg, der wiederum 9 Monate andauerte. Die westpakitanische Armee versuchte mit aeussester Brutalitaet die Unabhaengigkeitsbestrebungen Ostpakistans zu bekaempfen, als aber letztendlich die Weltoeffentlichkeit zunehmend darauf aufmerksam wurde und Indien Bangladesch bei deren Bestrebungen unterstuetzte, konnte im Dezember 1971 die Unabhaengigkeit erklaert werden. Somit war Ende 1971 der Staat Bangladesch ( uebersetzt, Land der Bengalen)  entstanden.

Der Unabhaengigkeitskrieg hinterliess aber leider eine voellig zerstoerte Wirtschaft und hatte ca. 10 Millionen Fluechtlinge zur Folge die hauptsaechlich in das benachbarte Indien flohen. Auch in den letzten knapp 40 Jahren wurde das Land immer wieder in ihrer Entwicklung gebremt, teils durch politische Probleme, aber auch teils aufgrund der Tatsache, dass es aufgrund ihrer geographischen Lage immer wieder von regelmaessig auftretenden Ueberschwemmungen oder Zyklonen heimgesucht wird. Die Tendenz der letzten Jahre ist jedoch durchaus positiv, die Armut konnte reduziert werden und auch die Korruption ist nicht mehr so stark verbreitert wie vor Jahren noch.


Land und Leute

90% der 150 MIllionen Einwohner in diesem Land sind Muslime. Mit 1066 Einwohner pro km2 ist es der dichtbevoelkerste Flaechenstaat der Welt. Wenn man die bevoelkungsreichsten Staaten weltweit Indien ( Dichte 349 pro km2) oder  China ( Dichte 140 km2) dazu vergleicht, dann kann man sich ein bisschen vorstellen wie viele Leute hier auf engsten Raum aufeinander leben.

 

 

Lage Bangladesch auf dem Subkontinent


Datei:LocationBangladesh.svg

 



Mein Reiseverlauf

Mit Klaus, den ich auf der Botschaft in Kalkutta getroffen habe, machte ich mich gemeinsam auf den Weg ueber die Grenze und dann in das kleine Doerfchen Mongla im Suedwesten von Bangladesch. Klaus und seine Familie unterstuetzen dort eine Familie und speziell die Schulbildung des 14 jaehrigen Sabuj.

 

Klaus und die Jungs der Familie.

Anmerkung  
Zuerst essen in Bangladesch die Maenner unter sich, erst wenn die Maenner fertig und gegangen sind sitzen sich die Frauen an den Tisch und speisen. 

Hoert sich komisch an, is aber so.....


Die Jungs zeigten uns mit Begeisterung jede Ecke dieses Doerfchens.......



Dank meiner unwesentlichen koerperlichen Vorteile von vielleicht gerade mal 50 cm konnte ich die Kompaktfuessler aus Bangladesch gerade noch in die Schranken weisen. 
( Flo, Randy, hier wuerds euch gefallen!!)




sogar Fussball musste ich mit den Kleinen spielen....    Kurz vor dem finalen Elfmeter...


Hier noch paar weitere Eindruecke aus Mongla



....ein netter Fischer






















                                                                                                                            .....Strassenverkaeuferin....





...die Dorfschulklasse und ich



Nach den super Tagen in Mongla, fuehrte die Reise weiter nach Dhaka, nicht auf dem Landweg,  sondern mit dem genialen, nostalgischen Wasserraddampfer  aus dem 19. Jahrhundert....





Die Fahrt gehoerte zu den absoluten Hightlights der bisherigen Reise, da es so interessant war einfach nur auf dem vorderen oberen Deck zu sitzen und das Leben zu beobachten, das sich im Wasser und an beiden Uferseiten davon abspielt hat.
Da es in Bangladesch sehr viele Fluesse gibt uns daher viele Menschen vom Fischfang leben sind die Fluesse hier sehr belebt, ausserdem werden die meisten Gueter mit Booten von A nach B transportiert.


Auch hierzu paar Abzuege fuer euch

 

....Kuehewaschen...











...spielende Kinder...





....ein Junge beim Fischen...


Dhaka

Die Hauptstadt Bangladesch gilt mit ihren 16 Millionen Einwohnern als eine der chaotischen und anstrengensten Staedte der Welt.      Mein Urteil dazu.      Voellig zurecht!
Offiziell nicht bestaetigt aber meines Erachtens muessen die Haelfte der Einwohner Rikschafahrer sein...



Unglaublich wie die Strassen hier bevoelkert sind... ein Beispiel dazu

Ich brauchte fuer eine Entfernung von 12 - 13 km ( extra nachtraeglich nachgemessen !!) mit dem Bus 2 Std. !  und das in der absoluten Mittagshitze. Haette fast meinen Sitznachbarn eine mitgegeben, weil ich so genervt war von der Sache....ihr wisst, dass sowas nicht oft vorkommt bei mir...

Aber eben trotz dieser extremen Chaotik gibt es auch hier in Dhaka viel zu sehen, die Hauptattraktion fuer mich war einfach den Verkehr als Aussenstehender zu beobachten, das hat mir wirklich Spass gemacht...
Es trifft sich hier alles auf der Strasse, hauptsaechlich Rikschafahrer, aber auch viele die teils unmenschliche Lasten mit ihrer Muskelkraft durch die Strassen ziehen muessen..

                                                                            



Die Lebensader dieser Stadt ist der Buriganga Fluss, da die ganzen Waren aus dem Lande hier ihren Weg in die Hauptstadt finden.

Paar Bilder vom Ufer und vom Gemuesemarkt...














unglaubliche Lasten werden hier rumgeschleppt...




...geschaeftiges Treiben am Buriganga Fluss zu abendlicher Stunde....



Nach Dhaka begab ich mich noch fuer eine Woche in die oestlichste Provinz Bangladeschs, nach Chittagong.

St. Martin Island

Der suedoestlichste Punkt Bangladesch, nur einen Steinwurf von Burma, Myanmar, entfernt ist die Koralleninsel St. Martin.



...Bengalis beim Baden...






....Muschelverkaeuferin...




Auf einem Spaziergang um die Insel stoss ich per Zufall auf ein Fotoshooting und mir wurde hierbei die unglaubliche Ehre zuteil dem bengalischen Superstar der Filmszene kennenzulernen.  Name Hasan Ferdous!!  rechts unten im Bild.

Die bengalische Antwort auf unsren Monaco Franze oder auf Chuck Norris ist nicht nur in Bangladesch, sondern auch im benachbarten Indien eine bekannte Groesse.

Mein Vorschlag auf eine Boesewichtrolle im bald erscheinenden Film fand er leider nicht ganz so genial wie ich, daher bliebs nur bei einem Plausch.





.... anscheinend war ich hier nicht der erste,  hier haben wohl schon mal paar Hirtner oder Garchinger ihre Spuren hinterlassen..... 

Wer Interesse hat, schreibt mir, ich verrat euch wies ausgegangen is....



Fazit Bangladesch

Die Leute in diesem Land sind wirklich einmalig, ich habe noch nie so nette Menschen kennengelernt wie in diesem armen Land. Da es so gut wie keine Touristen gibt, wollen sie alles von einem wissen.  Los gehts mit   "Country?" , dann irgendwann mal der Name und dann was man hier eigentlich macht.
Erstaunlicherweise interessiert sie alle ob man von West oder Ostdeutschland kommt und viele wissen gar nicht, dass es mittlerweile wieder ein Land ist. Mir wurde soviel Herzlichkeit entgegenbracht in Form von Geschenken und Einladungen, dass ich oft gar nicht wusste wie ich darauf reagieren sollte. Jeder wollte mir was erzaehlen und zeigen und nach kurzer Zeit bekam ich meistens eine "Businesskarte" , auf die sie meistens besonders stolz waren.
Das aber wiederum wird nach ner gewissen Zeit wirklich anstrengend, da man sich nirgends hinsetzen kann ohne angelabert zu werden, jeder dreht sich um und starrt einem an.
Spasses halber hab ich mal paar Fotos in alle Richtungen geschossen als es besonders extrem war.
Hier ein Beispiel dazu von einer Himmelsrichtung bloss.



 
Aber wie bereits erwaehnt fuehlt man sich hier zu jeder Zeit herzlichst willkommen, die Leute freuen sich einfach nur mal einen Nicht - Bengali zu sehen und zeigen das einem auch.
Jedoch braucht man starke Nerven sonst flippt man mit der Zeit aus....

Wie gehts weiter?

Ich bin seit gestern wieder in Kalkutta und geniesse wie gesagt die Ruhe um mich herum. Paar Tage werd ich noch hier in der Gegend verbringen bevor ich um den 5. April nach Delhi zurueckkehre und den Martin Schmoelz Neuhauser wieder treffe.

Ihr hoert von mir....

beste Gruesse

Markus, Buggo

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Barni 03/30/2009 13:30

Also Buggo, jetzt bin ich baff. Ein Artikel, ganz alleine! Dass du das technisch hingekriegt hast... wenn ich mich an deine Schwierigkeiten erinnere, mit einer Fernbedienung umzugehen...
Hoert sich schon witzig an "Bin in Kalkutta und geniesse dir Ruhe" - bei 16 Mio. Einwohnern! Aber in der Sudder Street sind sie ja Touris gewoehnt. Kannst dich ja auch jederzeit zum Peter setzen und mit Tauben ratschen, das ist Erholung pur.
Und jetzt steht das Wiedersehen mitm Martin bevor! Da bin ich ja gespannt, ob des hinhaut, leider falle ich als Vermittler und Schlichter aus. Wenn's zu schlimm wird: www.opodo.de
Noch ein Tip: dreh doch in Delhi wenigstens eine kleine Runde mitm Radl, sonst hast es bis Istanbul total verlernt...
GUTE REISE!

Malteser Hilfskreuz 03/28/2009 10:00

Applaus!
Herrlicher Artikel. Als langer Lulatsch kannst z'Bangladesch noch punkten?!
Bis bald...

Billerkarl 03/28/2009 06:38

Bugggooooooooooooo!!! Danke für deinen Eintrag bei mir im Blog!! Ich finde Chuck guuuuuuut, aber leider versteht das mittlerweile auch wieder keiner!! :D
Ich probiers jetzt mal mit Kaaaaaaaaaaaaaaal! In Indien und durm herum müssten mich die Leute dank deiner Erzählungen eh schon kennen... ;)

Deine Idee vom Böööööööösewicht im Film ist find ich gut!! Passendere Rolle gibts kaum... :)

Ansonsten pass auf bei deiner Heimreise... Hab mittlerweile schon von mehreren Travellern gehört, dass es kein Spass sein soll, nach Pakistan einzureisen... Wenn bleib auf alle Fälle südlich!! Im Norden könntest leicht unter die Räder bzw. Kalaschnikov kommen!!
Lass mal wieder was höööööööööören!!

Chuck alias Kaaaaaaaaaaaaaaaaaal

Helmar 03/27/2009 09:58

Beim Buggo lernt man einfach immer was - merci Oida!! :)
Wann kommst eigtl. wieder heim Buggo? Hab da auf Spiegel-Online was von einem sehr unglücklichen Maibaum-Komitee in Zeiling gelesen...
Grüße,
Helmar