Indien-Kaffee-Haus-Tour

Veröffentlicht auf von Martin

Meine zwei (Ex-)Reisekameraden haben mit ihren Artikeln ja schon vorgelet - Schoen zu lesen, gewesen!

Ich bin derweil mit dem Zug Richtung Sueden abgefahren mit dem Ziel Mysore.
Schoen anzuschauen diese Stadt, besonders nachts der Palast des Maharadschas....





Dieser Palast wird mit 95.000 90-Watt Gluehbirnen beleuchtet.
Da schimmert noch etwas durch von dem verschwenderischen Prunk den die Maharadschas (fruehere Herrscher Indiens) damals lebten.
Aber trotzdem ist das meine persoenliche Oeko-Sau des Monats!

In Mysore wird aber auch auf Umweltschutz geachtet. Es wird recycled. In den Maerkten gibt es so einige Haarverkaeufer, die Second-Hand-Haar anbieten. Beste Abnehmer sind uebrigens die Europaer, die das schoene indische Haar zur Haarverlaengerung nutzen.
Ich bekam fuer meine wallende Maehne ein Angebot von 100 Rupies (entspricht 1,50 Euro). Zu wenig, da wart ich noch auf bessere Angebote!!!




In der Stadt hab ich wie abgemacht Nichole aus England getroffen, die ganz tapfer mit einem indischen Mountainbike durch Indien saust.
In Nepal hab ich sie und Christa, eine Schweizerin, mit dem Radl-Virus infizieren koennen - naechsten Tag sind sie ins Radgeschaeft und gemeinsam nach Indien abgefahren.

Als ich sie hier im Sueden wiedertraf, hat sie mich mit kraeftigen Wadln ueberrascht und haengt mittlerweile alle Inder ab....





Wir sind also gemeinsam los, doch ein indisches Radl ist eben nicht gerade Leichtgang, besonders in den Bergen. So haben wir ausgemacht, dass jeder sein Tempo faehrt und ich dafuer umso oefter Pausen einlege und auf sie warte. Kokosnussverkaeufer, Fruchtsaftstaende und Teebuden wuerden mit das Warten zur Freude machen. Waere nicht das gewesen:

Vorbeibrausende Inder auf Motorraedern und in Autos haben mir folgendes gesagt:
"Your Wife is very behind! You have to wait. Take some luggage of her!"
(Uebersetzung: Deine Frau ist weit zurueck. Du musst warten. Nimm das Gepaeck von ihr!)

Bis ich dann erklaert habe, dass Nichole nicht meine Frau ist und wir beide unser eigenes Tempo fahren wollen, wars meistens schon zu spaet - Mehrere Maenner schimpften auf mich ein, bis Nichole kam und die Maennermenge beruhigen konnte.
Da hab ich mir schon meinen Teil gedacht. Die indischen Maenner die ihre Frauen am liebsten zu Hause verstecken schimpfen gerade mich. Ts, ts, ts

Im Sueden ists aber gar nicht so schlimm, mit der Unterdrueckung der Frau. Frauen sind im Gegensatz zum Norden mehr am oeffentlichen Leben beteiligt und besitzen zum Teil sogar eigene Geschaefte.
So bin ich sichtlich besser in Kontakt zu Frauen gekommen....





Dieses Foto stammt uebrigens von einer Hauseinweihungsparty auf die wir freundlich eingeladen wurden. Es waren bestimmt 300 Personen anwesend und glich mehr einer Hochzeit. Es gab religioese Rituale, die Brahmanen (hinduistische Priester) vornahmen und natuerlich ordentlich was zum essen.
So ein Festessen laeuft ein bisserl anders ab als bei uns:
Alle sitzen in der Reihe, bekommen ein Bananenblatt, die einzelnen Gaenge (22!) wurden aus einem Eimer auf das Blatt geklatscht und gegessen wird natuerlich mit den Fingern. Mir hats geschmeckt!





Die Landschaften die wir in den Bundesstaaten Karnataka, Tamil Nadu und Kerala durchradelten waren grandios. Sanfte Huegel, Palmenwaelder, Seen und Fluesse und das alles im satten tropischen Gruen.





Es wurde auch ernsthaft steil. Nichole wich einige Male auf den Bus aus, ich quaelte mich bei teils ueber 30 Grad durch die Berge. Auf der Reise besuchte ich die Bergorte Ooty, Kodaikanal und Munnar, die alle vor ungefaehr 100 Jahren von den Briten gegruendet wurden um der Hitze aus dem Flachland zu entgehen.
Heute werden die Orte, die alle auf ca. 2000 m Hoehe liegen, aus dem selben Grund von auslaendischen aber auch indischen Touristen besucht.
Die Wege dorthin sind abenteuerlich...





... aber die Anstrengungen haben sich wirklich gelohnt. Die Menschen hier, besonders in Kerala sind unglaublich freundlich und hoeflich. Das Angenehme ist, dass in Kerala fast alle Englisch sprechen, egal ob jung oder alt.
Die Alphatisierungsrate liegt in Kerala bei ueber 90 Prozent, das heisst das fast alle die Schule besuchen bzw. besuchten, in der auch immer Englisch gelehrt wird.

So ists auch moeglich in kleinen Dorfwirtschaften einen Ratsch zu machen....





Kerala ist generell unglaublich liberal und weltoffen.
Warum??
Vielleicht liegts an der Geschichte Keralas, das fruehzeitig Einfluss von verschiedenen Kulturen und Religionen hatte. Portugiesen, Hollaender, Englaender, aber auch Syrer, Araber und Chinesen kamen meist per Schiff nach Kerala und haben ihre Spuren hinterlassen.
Seit etwa 50 Jahren gehen viele junge Keralaer auch ins Ausland um dort zu arbeiten. Die meisten gehen in die Golfstaaten, verdienen dort ihr Geld und schicken eine Riesensumme auch nach Hause nach Kerala.

Trotz der Weltoffenheit haben sich die Menschen ein paar bemerkenswerte Traditionen erhalten.
Da ist zum Beispiel der Lungi.
Der Lungi ist eigentlich nur ein ganz normales Tuch, das erst bei richtigen Gebrauch am Mann die Wirkung entfaltet.
Josef, der heisst wirklich so(!), zeigt uns die Technik fuer den Wickelrock....





So ein Lungi macht doch einen Mann erst zum Mann....?!





Selbst die Goetter tragen das schoene Stueck.





Nun komm ich aber zum Titel des Artikels: "Indien-Kaffee-Haus-Tour".
Tja, nach langer, langer Zeit grosser Entbehrungen - ich meine hier den Kaffeeentzug seit sieben Monaten- bin ich im Kaffeetraumland angekommen.

Nachdem ich erfahren habe, was neben den Radlwegen so waechst, war ich nimmer zum Halten und ich machte mich mit den oertlichen Kaffeebauern auf den Weg durch die Plantagen auf der Suche nach der Kaffeebohne.


         


Aber wie jeder weiss, entfaltet der Kaffee erst sein Aroma wenn er richtig geroestet und zubereitet wird. Eine indische Institution kann das richtig gut.

Das Indian Coffee House

Die Kaffee-Haus-Kette die in den 40er Jahren von den Briten gegruendet wurde ist Kult!
Seit den 50er Jahren ist das IndianCoffeHouse im Besitz der Arbeiter, quasi in genossenschaftlicher Selbstverwaltung. Die Einrichtung und die Uniform der Kellner haben sich seit dieser Zeit nicht gross geaendert.





In Kerala gibt es 51 Filialen des Kaffeespezialisten. Bisher war ich erst in drei, aber ich bin schon ein grosser Fan dieser zeitlosen gemuetlichen Atmosphaere.
Die restlichen 48 Filialen geben mir genuegend Motivation weiter diesen schoenen Bundesstaat per Radl zu erkunden. Nichole ist leider schon Richtung Mysore zurueckgefahren zum Yoga-Kurs.

Einen neuen Mitstreiter, ebenfalls IndianCoffeeHouse-Fan, habe ich schon gefunden - Peter aus Bogen.





Peter, vom Beruf Designer, will natuerlich nicht mit einem stillosen Mountainbike durch Kerala fahren. Da muss echter Style her. Er hat sich fuer ein indisches Modell entschieden, und hats schon festlich fuer die Jungfernfahrt geschmueckt...





Ab morgen gehts los in die sogenannten Backwaters, bevor ich Ende Maerz dann in Varkala am Strandort landen werde...
Bericht wird folgen!

Das Fotoalbum: "Indien-der-Sueden" muesst ihr euch unbedingt noch anschaun!

Machts gut, geniesst den Fruehling
Martin


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loisinger 03/31/2009 21:46

Servus Mattl,
oida Kultourer! Bin schwer begeistert von deinem letzten Reisebericht. Wie man sieht geht es dir gut und an Frauen magelt es auch nicht! Triffst du dich mit Biggi u Tom auch noch? Viel Spass weiterhin, das Bilderbuch ist genial, weiter so,
loisl

peterchen 03/28/2009 14:46

servus martin
schoen ueber mich zu lesen
besonders schoen finde ich mein gesicht
ich hoffe das andere auch dieser meinung sind
bis gleich bei masala dosa

Tobi 03/27/2009 17:55

Hi Martin!

Endlich mal wieder ein Bericht von Dir - wurde auch Zeit!
Bring mir doch bitte was von dem "Second-Hand-Haar" mit, falls Du irgendwann wieder nach Deutschland zurück kommen solltest...! ;)

Weiterhin ne schöne Radltour,

Tobi

Helmar 03/27/2009 10:01

Schöner Bericht, aber diese Öko-Schweinerei ist schon was besonderes. Mein Taschenrechner kalkuliert bei hiesigen Strompreisen etwa 1.750€/Stunde für den Unsinn... :(

Barni 03/25/2009 10:56

Martin, alter Radlgenosse, grosses Lob von mir fuer den Bericht! Wundert mich, dass du das ohne mich so gut hingekriegt hast. Hab ich dir also doch was zeigen koennen, freut mich!
Du bist auch durch Ooty geradelt? Von wo seidsn dann gestartet? Bis wohin? Schreib doch noch Details zur Route, interessiert mich! Hast den Wasserfall in Kodaikanal gefunden?

Also dann weiterhin viel Spass bei den Indern und ein schoenes Wiedersehen mit dem Stempelsammler Buggo (hab gehoert, dass er auch noch nach Bhutan will)!
Herzlichen Gruss aus dem immergruenen Sulawesi,

Barni


P.S.: Pass in Varkala auf Stachelrochen (Bene M. jault bei dem Wort wahrscheinlich gerade auf), Kokosnuesse (mich haett dort fast eine in der Haengematte erwischt) und Bang-Lassi auf!

Martin 03/26/2009 06:25


Pernhard!
Ja, ich war fleissig und hab meine Hausaufgaben gemacht....
Nachlese der Tour:
Mysore - Byalkuppe (tibetische Siedlung) - Kannur (Kerala) - Wayanand - Ooty - Coimbatore - Kodaikanal (Wasserfaelle!!) - Munnar - Cochin - Allepey - Kottayam - Varkala
und weiter gehts: Trivandrum - Kanyakumari (Da will ich einfach hin, das Radl umdrehen und die Heimreise einlaeuten, symbolisch halt, verstehts?)

Den Buggo kann ich eh abschreiben. Der will mich staendig ueberreden auf ein Hippyfestival im Norden zu gehen (Rainbow-Gathering oder so..)

Barni, machs gut im Gruenen, kraul mir die Lena und bis bald Herr Lehrer!