Out of Tibet - Free Tibet!
Nach dem letzten Artikel der "Spass-Touristen" Buggo und Barni ist nun wieder Platz fuer serioese Hintergrundreportagen ueber Kultur und Religion in China.
Die strenge Internet-Zensur in China machte mir dabei das Leben schwer. In Tibet war es mir zeitweise gar nicht moeglich unseren Blog zu bearbeiten.
Nun gibts halt mehr auf einmal:
Nachdem ich mit Reka (Verantwortlich fuer die Geschmacksrichtung diverser Schweizer Kekse - das macht sie hauptberuflich!!!), Camilo (Chilene mit schwedischen Pass und einem nepalesischem Gesicht - Er brauchte deshalb an der Grenze zu Nepal kein Visum!) und Guillome (Belgier, bekannt fuer seinen Tee-Fetischismus) eine "Gruppe" gebildet habe konnte es nach Xining, einem Zwischenstopp auf dem Weg nach Tibet losgehen.

Zum politischen Verstaendnis:
Man kann nur als Gruppe nach Tibet einreisen. Die chinesische Regierung will naemlich alles Boese und Schlechte von Tibet fernhalten (Zitat aus dem historischen Propagandabuch der Kommunistischen Partei), deshalb duerfen sich Touristen nicht ohne einen offiziellen Guide und ohne Jeep in Tibet bewegen. So einfach ist das.
Zwischenstation Xining! (Halber Weg von Peking nach Lhasa)
Xining ist auf den ersten Blick eine moderne chinesische Millionenmetropole...

... die Landschaft, als Teil des tibetischen Hochlandes, hat aber so einiges zu bieten....

per Rad und per Pedes konnte ich mich auf Hoehen von knapp 4000 Metern schon bestens fuer die 5000er Paesse in Tibet praeparieren.
Die Hoehenkrankheit darf man nicht unterschaetzen, ab ca. 3000 Hoehenmetern nimmt die Sauerstoffkonzentration erheblich ab. Man sollte daher langsam aufsteigen, ueber Tage verteilt, so dass sich der Koerper an die Hoehe gewoehnen kann.
In den Serpentinenstrassen ueber Xining konnte ich am eigenen Koerper erleben, was es heisst wenn die Luft duenn wird ...

In Xining waren wir so gut wie die einzigen Touristen, das hatte zur Folge, dass wir nicht nur angestarrt und angelangt wurden (besonders interessant ist anscheinend unsere Behaarung an den Armen), sondern auch angesprochen wurden.
Zum Glueck, denn dadurch ergaben sich interessante Gespraeche - Besonders die sogenannten Minderheiten hatten es uns angetan:
Da sind zum einen die Hui-Chinesen (Muslime) - Die schauen ungefaehr so aus:

Da gibts auch schon viele Tibeter, wie diese "Moenchfamilie", die mich auch anschliessend zu tibetischen Essen eingeladen hat - Als Gegenleistung erteilte ich Ba Ding (rechts im Bild) zwei Tage Englisch-Unterricht.

Was mich besonders ueberrascht hat - Es gibt auch eine christliche Minderheit, eine Gemeinde von ca. 300 Mitgliedern. Hier die Kirche

Der Pfarrer, den ich an der Kirche getroffen habe, erzaehlte mir bei Tee und Gebaeck (das die Pfarrerskoechin servierte - also wie bei uns) wie die Situation waehrend der Kulturrevolution in den 60er Jahren war - Verbot von jeglichen religioesen Handlungen, viele Christen sind spurlos verschwunden, etc..
Auch heute noch leiden die Christen hier unter dem Druck der Regierung.
Nach einer Woche in und um Xining war es Zeit das "historische" China zu verlassen und mit der Lhasa-Bahn in einen voellig anderen Kulturkreis zu fahren, nach Tibet:
Wir vier, Reka, Camilo, Guillome und ich verliessen also China, die liebenswuerdigen Chinesen...

... und deren Angewohnheit moeglichst aestethisch zu essen.

Bahnfahrt ueber das Dach der Welt
Es ging ueber Paesse von 5000 HM von Xining ueber Golmud nach Lhasa, damit ist die Tibet-Bahn die hoechste Bahnstrecke der Welt - Zweifellos eine Meisterleistung der Ingenieurskunst - da es sich groesstenteils um Permafrostboden handelt auf dem die Schienen verlegt sind.
Lhasa
Fuer mich die bisher beeindruckenste Stadt der Reise. Trotz der immer praesenten Armee und Ueberwachungskameras - Auf fast jedem Haus sind fuenf Militaers. Das ist ganz praktisch, vier spielen Karten, einer schaut vom Dach! (Leider konnten wir nicht so viele Fotos machen. Wenn dich die Militaers beim fotografieren erwischen zertrampeln sie deine Kamera. Buggo pass auf!)

In Lhasa sind derzeit nur ganz wenige Touristen. Der Grund ist ganz einfach: Friedliche Proteste wurden im Maerz von der chinesischen Armee gewaltsam niedergeschlagen und Touristen und Journalisten wurden daraufhin ausgesperrt.
Ja, die Tibeter sind deshalb umso mehr erfreut wenn man in ihr Land kommt. - Selbst der Dalai Lama hat dazu aufgerufen das Land zu besuchen.
Die Aussperrung der Touristen von Maerz bis Juli hatte schlimme Folgen fuer Tibet:
1. Die westliche Welt bekam ausser der chinesischen Propaganda nichts mit, was hier in Tibet wirklich passiert ist.
2. Wirtschaftliche Folgen (Ein Grossteil der Tibeter lebt vom Tourismus - Hotels, Geschaefte, Reisebueros, etc. stehen vor dem Ruin)
Wir lernten einige Tibeter kennen, die uns viel darueber erzaehlten was hier los ist. Durch Zufall geriet ich in einen sogenannten English-Corner, in dem alle nur Englisch sprechen duerfen. Hauptthema war natuerlich auch dort der Druck der Chinesen auf Tibet.

Dieses Thema wurde dann abends, in der Bar von Honk (links im Bild) in etwas froehlicherer Runde weiterdiskutiert:

Aber: Lhasa ist natuerlich nicht wegen der politischen Auseinandersetzung so beeindruckend, sondern wegen seiner reichen Kultur, wie dem Potala-Palast (Blick aus unserem Zimmer)

... dem farbenfrohen, manchmal erschreckenden, tibetischen Buddhismus,

... und den friedvollen Tibetern, die stark in ihrer Kultur und Religion verwurzelt sind

Besonders fasziniert bin ich von der Naturverbundenheit der Tibeter, die u.a. fuer ihren Ofen Yak- und Schafsmist benutzen ... (rechts im Bild unser Guide Namgen)

auch die Kinder werden naturnah erzogen...

Auf dem Weg nach Nepal
Nach Lhasa folgte eine spektakulaere Fahrt mit dem Jeep (Radeln ist ja leider nicht moeglich hier), quer durch Tibet, in Richtung Nepal.

Wir kreuzten einige Paesse ueber der 5000 Meter-Marke. Da wollte ich natuerlich ausprobieren ob der Sauerstoffgehalt so gering ist, dass man leichter hupfen kann...

... und dem war so.
Nach mehreren hundert Kilometern sollte es dann endlich soweit sein -
Fuer Bergfuchsen muesste es nun klar sein, wohin die Reise ging.
Ja, genau, hier ist er:

DER MOUNT EVEREST
Es war unglaubliches Gefuehl diesen Bergriesen von so nah zu sehen - 8848 Meter hoch -
Noch ein Bild zum geniessen:

Wie die Erdkunde-Kenner unter euch bestimmt wissen, bildet der Everest die Grenze zwischen Tibet und Nepal, d.h. es ging nun an die Grenze.
Der Guide und die Polizei waren so grosszuegig und liessen mich die geniale Abfahrt vom kargen Himalaya ins subtropische Nepal (3000m Downhill, wow!) mit dem Mountainbike radeln.
Die Landschaft aenderte sich schlagartig. Vom kargen, trostlosen Himalaya-Plateau ins gruene Huegelland von Nepal. Hier ein Blick ins Tal:

...und ein Blick zurueck in den Himalaya

Nepal, in den 70er Jahren bekannt als immergruenes Hippieland, hat noch immer ein paar Exoten auf Lager, wie hier Purna, der bereits damals sein kleines Hostel betrieben hat. Unverkennbar seien Sympathie zu den bunten Gestalten von damals:

So nun bin ich in Kathmandu angekommen, der funkiest City of the world!
Leider ist das Vergangenheit, die Stadt hier versinkt voellig im Abgaschaos und im Muell - Schade.
Das ist auch der Grund, warum ich nur einen Tag hier bleibe (um wenigstens diesen Arikel schreiben zu koennen).
Morgen gehts dann los zu einer mehrwoechigen Wanderung im Annapurna-Massiv. Die Berge lassen mich einfach nicht los. So kann ich die entgangene bayerische Herbst-Wandersaison wieder gutmachen.
Camilo und Guillome sind auch mit dabei, Reka werden wir dann wohl auf der Strecke einholen.
So, dann gibts erst in vier Wochen den naechsten Bericht.
Passt auf auf euch, zu Hause, in Suedchina, in Ghana und wo immer ihr euch auch rumtreibt.
Liebe Gruesse
Martin
Die strenge Internet-Zensur in China machte mir dabei das Leben schwer. In Tibet war es mir zeitweise gar nicht moeglich unseren Blog zu bearbeiten.
Nun gibts halt mehr auf einmal:
Nachdem ich mit Reka (Verantwortlich fuer die Geschmacksrichtung diverser Schweizer Kekse - das macht sie hauptberuflich!!!), Camilo (Chilene mit schwedischen Pass und einem nepalesischem Gesicht - Er brauchte deshalb an der Grenze zu Nepal kein Visum!) und Guillome (Belgier, bekannt fuer seinen Tee-Fetischismus) eine "Gruppe" gebildet habe konnte es nach Xining, einem Zwischenstopp auf dem Weg nach Tibet losgehen.

Zum politischen Verstaendnis:
Man kann nur als Gruppe nach Tibet einreisen. Die chinesische Regierung will naemlich alles Boese und Schlechte von Tibet fernhalten (Zitat aus dem historischen Propagandabuch der Kommunistischen Partei), deshalb duerfen sich Touristen nicht ohne einen offiziellen Guide und ohne Jeep in Tibet bewegen. So einfach ist das.
Zwischenstation Xining! (Halber Weg von Peking nach Lhasa)
Xining ist auf den ersten Blick eine moderne chinesische Millionenmetropole...

... die Landschaft, als Teil des tibetischen Hochlandes, hat aber so einiges zu bieten....

per Rad und per Pedes konnte ich mich auf Hoehen von knapp 4000 Metern schon bestens fuer die 5000er Paesse in Tibet praeparieren.
Die Hoehenkrankheit darf man nicht unterschaetzen, ab ca. 3000 Hoehenmetern nimmt die Sauerstoffkonzentration erheblich ab. Man sollte daher langsam aufsteigen, ueber Tage verteilt, so dass sich der Koerper an die Hoehe gewoehnen kann.
In den Serpentinenstrassen ueber Xining konnte ich am eigenen Koerper erleben, was es heisst wenn die Luft duenn wird ...

In Xining waren wir so gut wie die einzigen Touristen, das hatte zur Folge, dass wir nicht nur angestarrt und angelangt wurden (besonders interessant ist anscheinend unsere Behaarung an den Armen), sondern auch angesprochen wurden.
Zum Glueck, denn dadurch ergaben sich interessante Gespraeche - Besonders die sogenannten Minderheiten hatten es uns angetan:
Da sind zum einen die Hui-Chinesen (Muslime) - Die schauen ungefaehr so aus:

Da gibts auch schon viele Tibeter, wie diese "Moenchfamilie", die mich auch anschliessend zu tibetischen Essen eingeladen hat - Als Gegenleistung erteilte ich Ba Ding (rechts im Bild) zwei Tage Englisch-Unterricht.

Was mich besonders ueberrascht hat - Es gibt auch eine christliche Minderheit, eine Gemeinde von ca. 300 Mitgliedern. Hier die Kirche

Der Pfarrer, den ich an der Kirche getroffen habe, erzaehlte mir bei Tee und Gebaeck (das die Pfarrerskoechin servierte - also wie bei uns) wie die Situation waehrend der Kulturrevolution in den 60er Jahren war - Verbot von jeglichen religioesen Handlungen, viele Christen sind spurlos verschwunden, etc..
Auch heute noch leiden die Christen hier unter dem Druck der Regierung.
Nach einer Woche in und um Xining war es Zeit das "historische" China zu verlassen und mit der Lhasa-Bahn in einen voellig anderen Kulturkreis zu fahren, nach Tibet:
Wir vier, Reka, Camilo, Guillome und ich verliessen also China, die liebenswuerdigen Chinesen...

... und deren Angewohnheit moeglichst aestethisch zu essen.

Bahnfahrt ueber das Dach der Welt
Es ging ueber Paesse von 5000 HM von Xining ueber Golmud nach Lhasa, damit ist die Tibet-Bahn die hoechste Bahnstrecke der Welt - Zweifellos eine Meisterleistung der Ingenieurskunst - da es sich groesstenteils um Permafrostboden handelt auf dem die Schienen verlegt sind.
Lhasa
Fuer mich die bisher beeindruckenste Stadt der Reise. Trotz der immer praesenten Armee und Ueberwachungskameras - Auf fast jedem Haus sind fuenf Militaers. Das ist ganz praktisch, vier spielen Karten, einer schaut vom Dach! (Leider konnten wir nicht so viele Fotos machen. Wenn dich die Militaers beim fotografieren erwischen zertrampeln sie deine Kamera. Buggo pass auf!)

In Lhasa sind derzeit nur ganz wenige Touristen. Der Grund ist ganz einfach: Friedliche Proteste wurden im Maerz von der chinesischen Armee gewaltsam niedergeschlagen und Touristen und Journalisten wurden daraufhin ausgesperrt.
Ja, die Tibeter sind deshalb umso mehr erfreut wenn man in ihr Land kommt. - Selbst der Dalai Lama hat dazu aufgerufen das Land zu besuchen.
Die Aussperrung der Touristen von Maerz bis Juli hatte schlimme Folgen fuer Tibet:
1. Die westliche Welt bekam ausser der chinesischen Propaganda nichts mit, was hier in Tibet wirklich passiert ist.
2. Wirtschaftliche Folgen (Ein Grossteil der Tibeter lebt vom Tourismus - Hotels, Geschaefte, Reisebueros, etc. stehen vor dem Ruin)
Wir lernten einige Tibeter kennen, die uns viel darueber erzaehlten was hier los ist. Durch Zufall geriet ich in einen sogenannten English-Corner, in dem alle nur Englisch sprechen duerfen. Hauptthema war natuerlich auch dort der Druck der Chinesen auf Tibet.

Dieses Thema wurde dann abends, in der Bar von Honk (links im Bild) in etwas froehlicherer Runde weiterdiskutiert:

Aber: Lhasa ist natuerlich nicht wegen der politischen Auseinandersetzung so beeindruckend, sondern wegen seiner reichen Kultur, wie dem Potala-Palast (Blick aus unserem Zimmer)

... dem farbenfrohen, manchmal erschreckenden, tibetischen Buddhismus,

... und den friedvollen Tibetern, die stark in ihrer Kultur und Religion verwurzelt sind

Besonders fasziniert bin ich von der Naturverbundenheit der Tibeter, die u.a. fuer ihren Ofen Yak- und Schafsmist benutzen ... (rechts im Bild unser Guide Namgen)

auch die Kinder werden naturnah erzogen...

Auf dem Weg nach Nepal
Nach Lhasa folgte eine spektakulaere Fahrt mit dem Jeep (Radeln ist ja leider nicht moeglich hier), quer durch Tibet, in Richtung Nepal.

Wir kreuzten einige Paesse ueber der 5000 Meter-Marke. Da wollte ich natuerlich ausprobieren ob der Sauerstoffgehalt so gering ist, dass man leichter hupfen kann...

... und dem war so.
Nach mehreren hundert Kilometern sollte es dann endlich soweit sein -
Fuer Bergfuchsen muesste es nun klar sein, wohin die Reise ging.
Ja, genau, hier ist er:

DER MOUNT EVEREST
Es war unglaubliches Gefuehl diesen Bergriesen von so nah zu sehen - 8848 Meter hoch -
Noch ein Bild zum geniessen:

Wie die Erdkunde-Kenner unter euch bestimmt wissen, bildet der Everest die Grenze zwischen Tibet und Nepal, d.h. es ging nun an die Grenze.
Der Guide und die Polizei waren so grosszuegig und liessen mich die geniale Abfahrt vom kargen Himalaya ins subtropische Nepal (3000m Downhill, wow!) mit dem Mountainbike radeln.
Die Landschaft aenderte sich schlagartig. Vom kargen, trostlosen Himalaya-Plateau ins gruene Huegelland von Nepal. Hier ein Blick ins Tal:

...und ein Blick zurueck in den Himalaya

Nepal, in den 70er Jahren bekannt als immergruenes Hippieland, hat noch immer ein paar Exoten auf Lager, wie hier Purna, der bereits damals sein kleines Hostel betrieben hat. Unverkennbar seien Sympathie zu den bunten Gestalten von damals:

So nun bin ich in Kathmandu angekommen, der funkiest City of the world!
Leider ist das Vergangenheit, die Stadt hier versinkt voellig im Abgaschaos und im Muell - Schade.
Das ist auch der Grund, warum ich nur einen Tag hier bleibe (um wenigstens diesen Arikel schreiben zu koennen).
Morgen gehts dann los zu einer mehrwoechigen Wanderung im Annapurna-Massiv. Die Berge lassen mich einfach nicht los. So kann ich die entgangene bayerische Herbst-Wandersaison wieder gutmachen.
Camilo und Guillome sind auch mit dabei, Reka werden wir dann wohl auf der Strecke einholen.
So, dann gibts erst in vier Wochen den naechsten Bericht.
Passt auf auf euch, zu Hause, in Suedchina, in Ghana und wo immer ihr euch auch rumtreibt.
Liebe Gruesse
Martin
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